Who Am I – Kein System ist sicher

Who Am I: Digitale Identitäten im Zwielicht

Baran bo Odars Cyber-Thriller (2014) entführt uns in die Berliner Hackerszene, wo der sozial unbeholfene Benjamin (Tom Schilling) als „mrRobot98“ endlich Anerkennung findet. Durch die charismatische Hackergruppe CLAY (mit Elyas M’Barek als anarchistischem Mentor Max) entdeckt er sein Talent für digitale Maskeraden. Doch ihr Spiel – vom DDoS-Angriff auf die Börse bis zum Hack des BKA – eskaliert, als der mysteriöse Superhacker FR13ND sie als Bedrohung eliminiert.

Who Am I - Kein System ist sicher

Hackerkultur authentisch inszeniert

Der Film besticht durch technische Genauigkeit: Echte Exploits (wie SQL-Injection), korrekte Terminalbefehle und die Darstellung von Social Engineering (die Bankangestellte wird mit Keksen manipuliert). Die beste Szene zeigt CL4Ys „Hacktivism“-Performance: Sie projizieren Guy-Fawkes-Masken auf Regierungsgebäude – eine Hommage an Anonymous. Cinematograf Nikolaus Summerer filmt die digitale Welt als neonfarbenes Labyrinth, das sich mit der realen Berliner Unterwelt vermischt.

Who Am I - Kein System ist sicher

Psychologie der Anonymität

Benjamin ist ein moderner Dr. Jekyll: Online der gefeierte Hacker, offline ein unsichtbarer Nobody. Sein Monolog über die „vier Typen von Hackern“ (von Script-Kiddies bis zu Aktivisten) wird zur tragischen Ironie, als er selbst zum Opfer von Identitätsdiebstahl wird. Die Beziehung zu Marie (Hannah Herzsprung), einer BKA-Ermittlerin, zeigt die menschliche Sehnsucht hinter der digitalen Fassade. Die Wendung im dritten Akt – wo Benjamins Erzählung als mögliche Täuschung entlarvt wird – ist cineastisches Hacking des Zuschauervertrauens.

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Prophetische Technikkritik

Was 2014 noch als Fiktion galt, ist heute Realität: Staatstrojaner, Darknet-Märkte, Blockchain-Paranoia. Der Film warnt vor der Illusion von Anonymität („Jede Spur führt zurück“) und zeigt, wie Hacker zu Werkzeugen geopolitischer Kämpfe werden. Das Finale im BKA-Hauptquartier, wo sich reale und virtuelle Identitäten auflösen, ist ein Meisterwerk der Desorientierung. Ein deutscher Film, der technisch und erzählerisch mit Hollywood mithalten kann – und uns fragt: Wer kontrolliert eigentlich wen im digitalen Zeitalter?